Nachlese

Literarischer Friedhofzauber


Die dritte Textwerkstatt der AG Literatur der Braunschweigischen Landschaft fand nach langer Zeit der pandemiebedingten Restriktionen endlich einmal wieder als Präsenzveranstaltung mit Lesungen von Angesicht zu Angesicht statt. Aber nicht im RaabeHaus Literaturzentrum der Stadt Braunschweig und auch nicht – wie bereits im Vorjahr praktiziert, im Gartenpark vom Haus der Stiftungen am Löwenwall, sondern "auf eigene Faust" organisiert, draußen in aller Öffentlichkeit und mit gebührendem Abstand. Im Garnison-/ Katharinenfriedhof zwischen TU-Mensa und Haus der Wissenschaft entdeckte AG-Sprecherin Helga Thiele-Messow bei ihren innerstädtischen Radtouren und Spaziergängen unlängst ein idyllisches Rondell mit im Kreis aufgestellten Bänken unter Bäumen.

Der ideale Ort für die elf Autorinnen und Autoren, die sich über fünf Texte austauschten wollten – und dies mit regen Diskussionen taten. Den Anfang machte Silke Groth, setzte sich in die Mitte dieses außergewöhnlichen "Stuhlkreises" und erzählte von einem traumhaften Meer, in das sie abtauchte und zur Wasserfrau wurde – aber eben nur im Traum. Kurz, knapp, eindringlich, gut! Eine wunderbare Phantasie hatte auch Jonas Lehmann in "Hannas Traum" mitgebracht, sprachlich und atmosphärisch dicht.

Lustig ging es in Wolfgang ten Brinks überwiegend dialogischer "Einbruch"-Szene zu, in der zwei Kleinkriminelle im fortgeschrittenem Alter beim Ausräumen eines Einfamilien-Anwesens unfreiwillig der Hausfrau das Leben retten. Markolf Hoffmann hingegen nahm den Literaturkreis mit in die poetische Barock-Welt der Oker-Nymphen und des Hirten-Gottes Pan, der – noch bevor er uns mit lieblichen Weisen auf seiner Flöte zu betören vermag – von einem zweifelhaften Herzog-Pseudonym niedergestreckt wird: Prolog eines historisch-phantastischen Romans. Profaner wurde es dann wieder bei Katja Necker, die sich am heimischen Küchentisch dem Thema Krieg und Frieden erzählerisch gewidmet hat.

Die Vielgestaltigkeit der Themen und literarischen Umsetzungen bzw. Zugänge setzte rege Diskussionen in Gang und vermittelte den Schreibenden manch nützliche Anregung zu Verbesserungen. Dass sich jede und jeder engagiert in die Textarbeit einbrachte, machte diese Werkstatt wieder einmal wertvoll. Der wunderbare Sommerabend ließ diese drei Stunden Literatur pur wie im Fluge vergehen und wird bestimmt Wiederholungen finden.    
                
Lutz Tantow

 



"Lyrische Landschaft"


Unter der Leitung der Hamburger Autorin und Journalistin Maren Schönfeld fand am 11. und 13. März 2021 ein Lyrik-Workshop mit 10 Autorinnen und Autoren der AG Literatur der Braunschweigischen Landschaft statt.

Coronabedingt musste auch diese Veranstaltung online per Zoom-Konferenz durchgeführt werden, doch Maren Schönfelds große Erfahrung mit solchen Formaten ließ die äußeren Umstände schnell in den Hintergrund treten. Lebhaft und konzentriert wurden die eingereichten lyrischen Texte der AG-Mitglieder kommentiert und diskutiert. Sie reichten von freien Versen über humorvoll gereimte Strophen bis hin zu Dreizeilern in der Tradition des japanischen Haiku.

Zwischen den Veranstaltungsblöcken war Zeit für eine "Hausaufgabe", in der die Autorinnen und Autoren sich mit Bildern oder Gedanken aus einem Gedicht Ingeborg Bachmanns auseinandersetzten und dadurch zu neuen Versen inspirieren ließen, die ebenfalls in der Runde vorgestellt wurden.

Die Erfahrung, Sachkenntnis und das Einfühlungsvermögen der Workshop-Leiterin gepaart mit dem regen Interesse der Teilnehmenden an den Gedichten der anderen Autor:innen ließ die Veranstaltung zu einem vollen Erfolg werden. Eine Fortsetzung dieses Workshops stieße sicherlich auf ein großes Echo.

Kirsten Döbler

 

 



Kreatives Schreibseminar


Die AG Literatur lud im Januar 2020 zu einem dreitägigen Kreativen Schreibseminar mit der Autorin Kathrin Lange unter dem Titel "Der get/heilte Himmel" ein. Anlässlich des 30. Jahrestages der deutschen Wiedereinigung beschäftigten sich die Teilnehmenden in ihren Texten mit der Frage, ob die innerdeutsche Teilung tatsächlich überwunden ist, ob wir unter einem "geheilten" Himmel leben oder ob wir es nach wie vor mit zwei unterschiedlichen Kulturbereichen, einem "geteilten" Himmel, zu tun haben.
Die Teilnehmenden stellen am 1. März 2020 die Texte, die während des Schreibseminars entstanden sind, im Rahmen einer >>> Federleicht-Lesung im Raabe-Haus in Braunschweig vor.

 

 



Jubiläumslesung der AG Literatur im Landesmuseum


Anlässlich des 15-jährigen Bestehens der Lesereihe »Federleicht« stellte die Arbeitsgruppe Literatur der Braunschweigischen Landschaft e.V. am 1. Dezember 2019 im vollbesetzten Vieweg-Saal des Landesmuseums ihre neue Publikation vor: »Das Beste aus 15 Jahren Federleicht«.
»Pedanteritis«, »Doppelportät, digital« oder »Das Ende der Bescheidenheit« – so lauteten einige Titel der Prosa- und Lyrikbeiträge, vorgetragen von 10 der im Buch vertretenen 21 Autorinnen und Autoren. Zuvor jedoch gab es eine kreative Überraschung für alle Anwesenden: Frau Dr. Boldt-Stülzebach vom Dezernat für Kultur und Wissenschaft begann ihr Grußwort mit einem Text, der sich als stimmige Collage einzelner Sätze aus allen Beiträgen dieser Anthologie entpuppte. Publikum, Autorinnen und Autoren waren begeistert.
In der anschließenden Lesung stellten die Mitglieder der AG Literatur unter Beweis, was Helga Thiele-Messow, Sprecherin der Gruppe, in ihrer Begrüßung bereits angesprochen hatte: die große Bandbreite an Themen und Schreibstilen innerhalb der Arbeitsgruppe, die ihre Ergebnisse seit nunmehr 15 Jahren auf monatlichen Lesungen im Raabe-Haus:Literaturzentrum der interessierten Öffentlichkeit vorstellt. »Das Beste aus 15 Jahren Federleicht« enthält nachdenkliche, atmosphärisch dichte, aber auch pointenreiche, humorvolle Beiträge und ist zu beziehen über die Braunschweigische Landschaft e.V.

Kirsten Döbler